PuR Pflege und Rehabilitation GmbH

Ausserklinische Intensivpflege  0228.39040209

PuR Pflege und Rehabilitation GmbH

Interview mit Frau Elvira Buchmüller,
Geschäftsführerin der PuR GmbH Bonn

aus der Interviewreihe „Wir bleiben im Gespräch“.

PuR Pflege und Rehabilitation GmbH

F: Hallo Frau Buchmüller, das ist aber wirklich schön, dass Sie Zeit gefunden haben für ein Gespräch.

EB: Ja, besonders in der Vorweihnachtszeit ballen sich die Termine immer.

F: Einen besonderen Termin hatten Sie jetzt am 24. und 25.11. in Backnang bei Stuttgart.

EB: Das ist richtig. Ich habe am Fachseminar „Fördernde Prozesspflege mit integrierten ABEDLs“ teilgenommen...

F: ... Frau Professorin Monika Krohwinkel war die Dozentin über die zwei Tage...

EB: Ja, das war unglaublich, vor allem die große Ehre persönlich ein Gespräch mit ihr geführt zu haben, hat mich sehr berührt. (lächelt)

F: Wie kam es dazu?

EB: Da gebührt der herzlichste Dank Frau Susanne Rieckmann von GODO Systems, die durch ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Pflegedokumentationen Frau Prof. Krohwinkel bei Ihrer Arbeit unterstützt und Frau Sabine Schneider, der Leitung der Pflegeschule Staigacker, die mir beide so freundlich ihre Hilfe gewährten und ein persönliches Fachgespräch mit Frau Professorin Krohwinkel ermöglicht haben.

F: Möchten Sie uns eine kleine Quintessenz des Gespräches geben?

EB: Frau Prof. Krohwinkel sagte und spricht mir damit aus dem Herzen: Je mehr ich über die Pflege weiß desto spannender ist sie für mich.

F: Das ist ein wirklich großartiger Satz in dem sich all die Lebens- und Arbeitserfahrungen verbinden.

EB: Ja, vor allem hat Frau Prof. Krohwinkel noch einmal hervor gehoben die unterschiedlichen Dynamiken zu beachten und auch  wie das eigene Handeln sich wechselseitig auf den Patienten auswirkt.

F: Also Bedürfnisse erkennen und wirksam Umsetzen, flexibel sein und Konsequenzen ziehen?

EB: Ja, das (Pflege-) System ist offen und folgt den neuen Entwicklungen des Patienten, den positiven wie den negativen.

F:... um natürlich die eigenen Handlungsweisen eventuell wieder neu darauf ausrichten?

EB: Richtig, denn der anvertraute Mensch ist das Zentrum.

F: Erkennen und sich auseinandersetzen mit den Bedürfnissen des Patienten, das ist der Punkt?

EB: Ganz genau. Defizite vermeiden. Alle Handlungen auf Wechselseitigkeit überprüfen und sich den Prozessen, sei es die Pflege allgemein oder den Bedürfnissen im Speziellen flexibel zu stellen und auf jede neue Situation eingehen.

F: Die Strategie überprüfen bedeutet strukturiert arbeiten zum Wohle des Patienten und die Maßnahmen mit Inhalten füllen?

EB: Ja, Assessment- und Diagnoseinstrumente, das systematische Zusammentragen von relevanten Informationen, ist natürlich ein bedeutender Faktor für die direkte Pflege die darauf folgt.

F: Dann sind die ABEDLs also das Gerüst sagen wir das Geländer an denen sich orientiert wird?

EB: ja... und damit ein entscheidender Teil der fördernden Prozesspflege und für das Rahmenmodell herum.

F: Das heißt konkret?

EB: Wenn wir der These von Prof. Krohwinkel folgen heißt das konkret, dass Lebensprozesse und Lebensbedingungen chronisch Kranker und behinderter Menschen, Handlungssysteme erfordern...

F: ... und auch die Bezugspersonen der Betroffenen im Mittelpunkt  von Pflege, Betreuung und Behandlung stehen?

EB: Das ist ein Punkt, denn nur so gewinnt die Förderung von Fähigkeiten und Ressourcen des Patienten zentrale Bedeutung.

F: Fähigkeiten und Ressourcen, die die Betroffenen brauchen um ihre Bedürfnisse zu erfüllen...

EB: Das geht genau in diese Richtung. Die Problembewältigung, bei den Aktivitäten des täglichen Lebens, dem Sichern und Gestalten der sozialen Kontakte und natürlich auch der Beziehungen. Aber  vor allem der Umgang mit den existenziellen Erfahrungen des Lebens...

F: Wobei wir bei den Patienten der PuR GmbH von besonders schwer betroffenen Menschen sprechen müssen.

EB: Das stimmt, unsere Klientel ist schwerst betroffen und daher sind Diagnose und alle zusammenfassenden systematischen Beurteilungen, Art, Ursache und Risikofaktoren für Patient oder Familie besonders wichtig. Daher ist auch besonders Diskontinuität in der Pflege (z.B. stetig wechselndes Pflegepersonal) zu vermeiden.

F: Vertrauen zu schaffen und die grundsätzlichen menschlichen Dinge vor allem als Priorität im Assessment zu beachten...  ist dies in ihrem Sinne verstanden?

EB: Ja. Auch die mitbetroffenen Angehörigen gehören dazu und wie wir die mitnehmen.

F: SIS - strukturierte Informationssammlung - und die Berücksichtigung von einfachen Erstfragen, zum Beispiel - Wie geht es Ihnen - ?

EB: Nicht immer können unsere Patienten diese Fragen beantworten, doch gerade hier ist es wichtig die Angehörigen mit ins Boot zu nehmen.

F: Wenn Assessment- und Diagnoseerhebungen „vage“ sind kann es auch den Patienten „schädigen“- Maßnahmen können dann nur „zufällig“ richtig oder falsch sein. Könnte man dies so radikal sagen?

EB: Durchaus... (lächelt) denn WAS ist wirklich relevant im Assessment - das ist die Frage und die Beantwortung muss so präzise wie möglich sein.

F: Flexibilität soll nützen. Konsequenzen ziehen und nicht stehen bleiben?

EB: Dafür stehen eben die Prinzipien und das Rahmenmodell nach Krohwinkel als Instrument zur Verfügung. Sowie Prioritäten und Ziele. Fördern und stützen. Direkte Pflege und deren Organisation.

F: Das heißt dann aber auch, dass nicht unbedingt alle ABEDLs zum Tragen kommen müssen.

EB: Nein, nicht unbedingt. Deswegen sind ja auch Prioritäten zu setzen um die wirklich relevanten Dinge zu sehen und diese dann umzusetzen.

F: Fördernde Prozesspflege, Konzepte und Kategorien mit integrierten  ABEDLs... Pflege nach Krohwinkel, jetzt frage ich mal ganz dumm... was heißt das eigentlich?

EB: Wichtig ist es zu fördern oder besser gesagt „fördernde Pflege“ und mit den anderen Therapeuten gemeinsam Kontinuität herstellen, bewohnerbezogen und pflegebezogen. Denn „fördernde Prozesspflege“ ist auch der Rahmen für andere Therapeuten.

F: Überlegungen mit Angehörigen und Therapeuten, ich kann mir vorstellen, dass es manchmal zu unterschiedlichen Meinungen kommen kann...

EB: Unterschiedliche Meinungen muss man austragen. Seinen Standpunkt zu begründen ist natürlich das entscheidende Element (lächelt).

F: Dazu gehört sicher auch das Abstimmen der Zeiten wann Therapeuten welche Maßnahmen durchführen?

EB: Ja, Zeiten abstimmen ist essentiell. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die Morgentoilette bei einem Patient/Bewohner ist abgeschlossen und dieser braucht nach der Anstrengung Ruhe. Es macht dann also keinen Sinn weiter „Action“ zu machen.

F: Rhythmisierung der Aktivzeiten und Ruheperioden also?

EB: Genau, Abstimmung der Beteiligten am Gesamtprozess lässt somit dem Patienten jeweils ein Optimum an Zeit für Ruhe und Aktivität und vor allem wie diese Elemente am nutzbringendsten für den Patienten eingesetzt werden können.

F: Management in der Pflege...

EB: ... heißt Gesamtverantwortlichkeit für alle Maßnahmen, dazu noch die allgemeine Kompetenz und spezielle Pflege.

F: Das Körperbild ist Teil der Pflege und bedarf des „täglichen Update“...

EB: ... sehen und erkennen...  Sinnzusammenhang, üben.

F: Das ist ja schon fast philosophisch...

EB: Warum nicht?

F: Bedeutungen geben? Fragen fragen, Gedanken denken?

EB: Bedeutung geben macht Sinn. Die Bedeutung von Beziehung/en kann nicht bedeutend(!) genug genommen werden.

F: ... und auch Beziehungen erhalten können... auch zu Tieren, nehme ich an?

EB: Das sehe ich auch so (lächelt).

F: Bienstein und Fröhlich und die  basale Stimulation (basal = grundlegend und voraussetzungslos und stimulatio = Anreiz, Anregung) als Teil der Therapie?

EB: Berührung ist wesentlicher Bestandteil der prozessfördernden Pflege, „fördernd berühren“ ist eine Kunst.

F: Das heißt also auch, dass der Künstler und Philosoph in der Pflege gefragt ist?

EB: Jeder erweiterte Gedanke oder der zur Erweiterung beiträgt weil unterschiedliche Standpunkte eingenommen werden können, all das ist gut und ist förderlich, nicht nur für die zu Betreuenden sondern auch für die Pflegekraft selbst.

F: Wir haben von Prinzipien und dem Rahmenmodell nach Krohwinkel gehört, dass ja im Grunde das eigentliche Pflegemodell darstellt. Können Sie kurz erläutern warum immer missverständlich die AEDL’s bzw. jetzt die ABEDL’s immer nur genannt wurden?

EB: Zu statisches Denken und nur auf das Gerüst geschaut, nicht auf das Ganze oder dessen Überbau, wäre eine mögliche Antwort. Zu kurz geschaut, eben. Das situative Denken und Wahrnehmen, Anreize geben ist Teil der systematischen Arbeit und bedeutet zuerst natürlich auch Beziehungen herzustellen, aufzubauen und auszubauen. Die ABEDLs helfen bei dem Aufteilen der komplexen Vorgänge in einzelne Schritte.

F: Was war Ihre persönliche Botschaft an Frau Prof. Krohwinkel?

EB: Ich habe gesagt, sehr verehrte Frau Professorin Krohwinkel, gestatten Sie mir Ihnen im Namen der Kollegenschaft meinen Dank auszusprechen für all die außerordentliche Arbeit die Sie geleistet haben und ganz besonderen Dank auch im Namen der Patienten der PuR GmbH, die über alle Maßen hinaus davon profitieren.

F: Da hat sie sich bestimmt gefreut...

EB: Ja (lächelt)... und auch ihre Bescheidenheit mit der sie es aufnahm, hat mich tief beeindruckt.

F: Frau Buchmüller, haben Sie ganz herzlichen Dank, dass Sie die Zeit gefunden und dieses Gespräch ermöglicht haben. Im Namen der ganzen Kollegenschaft der PuR GmbH darf ich Ihnen alles Gute wünschen und vor allem das ihr Wissen und ihre Kompetenz weiterhin alle Kolleginnen und Kollegen positiv befruchtet. Wir bleiben im Gespräch...

 

*Erläuterung:
EB  - Frau Elvira Buchmüller
F     - Fragesteller bzw. Frage...

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